Archäologische Funde am Zeughausareal

Bevor am Zeughaus neue Wohnungen entstehen, werden archäologische Funde wie der Sillkanal aus dem 19. Jahrhundert dokumentiert.

Archäologische Funde am Zeughausareal - Sillkanal | © Andreas Friedle   1/5

Am Zeughausareal in der Innsbrucker Kapuzinergasse wird gegraben und gebaggert. Allerdings (noch) nicht für die neuen Wohnungen samt Tiefgarage. Acht Archäolog*innen sind seit Mai damit beschäftigt das Grundstück zu befunden. In mittlerweile fast 5.000 Arbeitsstunden stießen sie auf den steinernen Sillkanal aus dem 19. Jahrhundert und darunter liegend sogar auf einen Kanal aus Holz, der dem 13. Jahrhundert zugeordnet wird. Außerdem wurden Mauern von alten Häusern freigelegt und dokumentiert.

Die Mächtigkeit der Funde neben dem historischen Zeughaus überraschte sogar die beauftragten Expert*innen: "Wir dachten, dass es sich einfach um eine Art Gerinne handelt“, meint Karsten Wink von der Firma Ardis Archäologie, „aber es ist ein richtiges Bauwerk. Und es zieht sich in dieser massiven Dimension quasi über das gesamte Baufeld.“ Rund vier Meter misst der Kanal an der Basis, im oberen Bereich gar sechs bis sieben Meter. Die Wurzeln des Sillkanals dürften im späten 12. Jahrhundert liegen. Jahrhundertelang versorgte er Wilten und Innsbruck mit Wasser und diente vielen Gewerbebetrieben als Energiequelle. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kanal zugeschüttet“, erläutert Wink, „großteils mit Schutt aus der zerbombten Stadt, der auf diese Weise entsorgt wurde.“ Die Archäologen fanden im Kanal daher Gebäudereste, Maueranker, aber auch Wasserleitungen oder Bettgestelle, ebenso große Mengen an Glas(-flaschen-)resten. 

Schon bald soll die Dokumentation - per 3D-Modell und Luftbildern - und somit die Sicherung der Funde für die Nachwelt abgeschlossen sein. "Die archäologischen Grabungen wurden rechtzeitig im Vorfeld des eigentlichen Bauvorhabens in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt geplant, wodurch wir trotz der bedeutenden Funde mit keinen gröberen Verzögerungen rechnen. Im Anschluss an die Dokumentation und mit der Freigabe des Baufelds durch das Bundesdenkmalamt , kann der Aushub für die Tiefgarage, die sich verbindend unter den drei Wohngebäuden erstrecken wird, starten. Die freigelegten und dokumentierten Funde werden in diesem Zug abgebrochen und entsorgt", sagt Projektmanager Roland Meixner. 

Visualisierung Am Zeughaus | © COMM.AGVisualisierung Am Zeughaus | © COMM.AGVisualisierung Am Zeughaus | © COMM.AG

Auf dem Areal neben dem historischen Museum Zeughaus errichten die ARE und die NEUE HEIMAT TIROL 117 Wohnungen, einen Kinderspielplatz und Grünflächen. Nach den Plänen der ARGE Reitter-Hertl, bestehend aus dem Architekturbüro Reitter Architekten ZT GmbH und dem Architekturbüro Hertl.architekten ZT GmbH, entstehen drei Gebäude mit ein bis vier-Zimmer-Wohnungen von 45 bis 156 Quadratmeter Wohnnutzfläche. Die ARE errichtet ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit 24 geförderten Mietwohnungen sowie ein zwölfgeschossiges Gebäude mit 57 Eigentumswohnungen. Der langgezogene dreigeschossige Wohnbau wird von der NHT errichtet und bietet Platz für 36 geförderte Mietwohnungen. Fast alle Wohnungen verfügen über einen Freibereich in Form einer Loggia.