Kleine Helfer, großer Nutzen: Das BIEZEN im VILLAGE IM DRITTEN

Ein Interview mit Marian Aschenbrenner und Lisa Steiner vom Bienenzentrum Wien zur Zwischennutzung im VILLAGE IM DRITTEN.

Marian Aschenbrenner sieht nach den Bienen | © ARE Austrian Real Estate   1/5

Als Zwischennutzungsprojekt hat sich das BIEZEN mit dem Lerngarten Bienenzentrum im VILLAGE IM DRITTEN angesiedelt. Die ansonsten brach liegende Fläche wird bis zum Baustart im jeweiligen Abschnitt sinnvoll genutzt. Marian Aschenbrenner und Lisa Steiner vom BIEZEN haben mit der ARE über das Projekt gesprochen.

Seit letztem Sommer arbeiten im VILLAGE IM DRITTEN nicht nur Menschen, sondern auch fleißige Bienchen. Ihr habt mit dem Bienenzentrum Wien (BIEZEN) – einer Bio-Imkerei – hier in einem noch brachliegenden Bereich – einen neuen Standort für einen Lerngarten gefunden. Was macht das VILLAGE IM DRITTEN zu einem attraktiven Ort für die Bienen und eure Arbeit?

Der Standort wurde uns nach längerer Suche gemeinsam mit Sonja Zumpfe (Anm. der Redaktion: Nachhaltigkeitskoordinatorin BIG Konzern) vermittelt. Für uns ist vor allem ausreichend Fläche für die Bienen und unsere Workshops und Ausbildungen wichtig. Die zentrale Lage ermöglicht eine gute Erreichbarkeit für Schulen, unsere Imker-Schüler*innen und Teilnehmer*innen von Veranstaltungen. Die Honigbienen fühlen sich eigentlich auf fast allen Plätzen in Wien wohl. Für Wildbienen sind aber die Baubrachen besonders interessant, weil es viele Wildblumen und offene Bodenstellen als Nistmöglichkeiten gibt.

Stichwort Workshops: Was vermittelt ihr im Lerngarten und was ist dieses Jahr alles geplant?

Wir machen in natur- und erlebnispädagogischen, altersgerechten Workshops die Zusammenhänge von Bienen und menschlichem Leben für Schüler*innen erlebbar. Vor Kurzem hat der erste Workshop in diesem Jahr mit einer Schulklasse des GRG 19 stattgefunden. Heuer beginnen wir außerdem eine intensive Zusammenarbeit mit dem benachbarten Aron-Mencer Bildungscampus. In den Ferien kommen uns Schüler*innen in Sommer-Camps besuchen.

Außerdem bieten wir die Ausbildung zur Imker*in an. Nach einem Jahr Lernen und weiteren sechs Monaten Begleitung wird es bald wieder einige frisch gebackene Imker*innen geben. Das Interesse ist allerdings etwas rückläufig, da die Kosten für Bienenstock & Co gestiegen sind.

Wie viel Honig kann im VILLAGE IM DRITTEN ungefähr geerntet werden? Im letzten Jahr war der Ertrag mit insgesamt 400 Kilo eher gering. Was braucht es für eine gute Ernte oder mussten sich die Tiere erst an den neuen Standort gewöhnen?

In Wien haben wir Honigernten zwischen 20-80 kg pro Bienenvolk. Die Lage vom VILLAGE IM DRITTEN ist eigentlich sehr gut, weil in der Nähe größere Parks, wie Belvedere oder St. Marxer Friedhof vorhanden sind. Die Erntemenge hängt vor allem vom Wetter ab. Trockenheit führt zu weniger Nektar. Die Eingewöhnung der Völker dauert nur wenige Tage.

In diesem Jahr erwarten wir eine weitaus höhere Ernte. So haben wir schon jetzt etwa 20 kg pro Volk in den Stöcken, obwohl die Blüte von Akazie und Linde noch nicht vorbei ist. Geerntet wird im Juli, danach sammeln die Bienen für den Eigenbedarf und legen Vorräte für den Winter an.

Es gibt auch ab und an Anfragen, ob die Honigbienen in Konkurrenz zu den anderen, hier ursprünglich heimischen Insekten stehen– was sagt ihr als Expert*innen dazu?

Wildbienen und Honigbienenkonkurrenz ist ein oft diskutiertes Thema, weil es dazu eher Annahmen als wissenschaftlich belegte Daten gibt. Wichtig wäre eine rote Liste für bedrohte Wildbienenarten, die es leider noch nicht gibt. Aber grundsätzlich gilt: In den Übergangsjahreszeiten Frühling und späten Herbst gibt es in der Natur wenig Pollen- und Nektarangebot. Die Honigbiene ist als Generalist sehr gut angepasst und kann bei fast jeder Pflanze sammeln. Manche Wildbienen leben aber nur von ganz speziellen Blumen. Ich sehe hier eher das Problem, dass die Blühvielfalt durch das viele mähen – insbesondere in der Stadt – und natürlich auch durch Bodenversiegelung rückläufig ist. Baubrachen stellen hier eine besondere Ausnahme dar, weil hier wirklich außergewöhnlich viele Wildblumen wachsen, die magere Schotterflächen bevorzugen. Sehr wichtig ist, Blühangebot mit heimischen und regionalen Pflanzen zu schaffen, das hilft allen Bienen! Darüber hinaus braucht es Forschung und gute Dialogprozesse mit allen relevanten Stakeholdern die zu langfristigen Strategien führen – das hilft allen Menschen.

Vielen Dank für das Gespräch!